ELVENPATH - Die Huldigung an Quorthon

Die Band aus dem Großraum Frankfurt machte bereits vor einiger Zeit mit dem Vorab-Demo ihres neuen Albums "Spyrol" auf sich aufmerksam und präsentierte drei Songs als Geschmacksanreger für das gesamte Werk. Alle True und Power Metal Fans dürften mit der gerade veröffentlichten Eigenproduktion mehr als zufrieden sein. Schön, dass der deutsche Underground lebt und dass es Menschen wie ELVENPATH Mastermind Till Oberboßel gibt, der den maßgeblichen Anteil an Songwriting und an den Texten der Hessen hat. So nahm er sich auch Zeit für unsere Fragen.

 

Hi Till, erzähl unseren Lesern doch zunächst mal das Wichtigste über die Band und was bis "Spyrol" bisher bei euch gelaufen ist.

Hallo allerseits, Elvenpath gibt es etwa seit Anfang 2002. Wir kommen aus Frankfurt, spielen Power Metal und haben bislang zwei EPs veröffentlicht ("2002" und "Gateways"). "Spyrol" ist unser erstes volles Album. Wir spielen gerne live und durften nebst allerlei guten Undergroundbands die Bühne bislang u.a. mit Sabaton, Majesty, Wizard, Accu§er und Sacred Sin teilen, und 2006 waren wir mit Skyclad auf Tour. Die aktuelle Besetzung besteht aus Tim am Mikro, Cris am Baß sowie Anastasia und mir an den Gitarren. Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, daß hier kein Drummer aufgezählt ist, ein solcher fehlt uns in der Tat leider zur Zeit. Mehr Infos aller Art findet man unter www.elvenpath.com und www.myspace.com/elvenpathmetal.

 

Erzähl doch mal kurz, was DU seit dem letzten Album so getrieben habt, denn du warst ja auch mal raus aus der Band.

Das ist sehr schnell erzählt, denn ich habe in der Zeit zwischen 2000 und 2004 musikalisch überhaupt nix gemacht! Nachdem es für mich UNREST nicht mehr gab, habe ich meine Drums verkauft und wollte mich damit abfinden, dass ich in Zukunft keine Mucke mehr machen werde. Das war für mich keine gute Zeit, da mir das alles sehr gefehlt hatte. Ich war dann auch sehr froh, als wir vor 2 Jahren wieder zusammen gefunden haben.

 

Habt ihr schon einmal Probleme damit gehabt, dass man euch aufgrund des Bandnamens eher in Richtung EDENBRIDGE oder NIGHTWISH stecken wollte?

Probleme würde ich nicht sagen. Wir haben unseren Namen ja bei Nightwish geklaut, und tatsächlich kann man in vielen Reviews nachlesen, daß der Journalist zuerst an eine Symphonic oder Gothic Metal-Band dachte. Und mitunter kommt's auch mal vor, daß jemand Elvenpath und Edenbridge verwechselt. Aber spätestens wenn die Musik läuft, merkt der Hörer wohl, daß wir mit solchen Bands stilistisch kaum etwas gemeinsam haben.

 

Das neue Album ist nun seit einigen Wochen draußen. Seid ihr mit den Resonanzen und mit dem Absatz zufrieden?

Bislang kann ich dazu noch nicht viel sagen, wir haben erst ein paar Reviews bekommen, aber die sind soweit positiv. Und die Verkäufe gehen auch so langsam los. Ich glaube, wenn der Bandname etwas mehr in der Presse steht, werden auch noch mehr Leute auf uns aufmerksam. Aber wir erwarten ja auch keine Rekordverkäufe. Wir sind uns bewußt, daß der Markt wirklich voll ist, insofern sind wir auch mit kleineren Verkaufszahlen durchaus zufrieden.

 

Euer Songmaterial ist zum Großteil sehr traditionsbewusst und man merkt deutlich, dass du die großen Bands wie JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN oder VIRGIN STEELE studiert hast. In wie weit sind ELVENPATH eigenständig, was macht euch aus?

Wir haben nie bewußt versucht, originell zu sein. Wir wollten immer einfach nur die Musik machen, die wir mögen - melodischen, traditionellen Power Metal. Allerdings hat sich bei uns schon ein gewisser Stil herauskristallisiert. Die häufig etwas längeren Songs mit verschiedenen Parts und insbesondere bei den neueren Stücken immer mehr Gitarrenspielereien, das kann man mittlerweile schon als Elvenpath-Markenzeichen bezeichnen, glaube ich. Allerdings bin ich mir natürlich bewußt, daß es in diesem Musikbereich schwierig ist, wirklich einen komplett eigenständigen Stil zu entwickeln. Wir verändern uns ja auch immer ein wenig. "Spyrol" hat eine größere stilistische Bandbreite als "Gateways", da sind Sachen drauf, die wir vor ein paar Jahren noch nicht gemacht haben. So ändert sich unsere Musik doch immer mal ein bißchen, aber das Grundgerüst bleibt gleich. Ich glaube, so bleibt es für uns wie auch für die Hörer interessant, trotzdem bewahren wir uns unsere eigene Identität.

 

Neben den verdammt starken Nummern "Priest Of War" und "Angel Of Fire" sticht natürlich die Quorthon gewidmete Powerballade "Northern Son" deutlich hervor. Außer der Anregung, dass ich den Refrain schleunigst auf einem T-Shirt haben möchte, der Bemerkung, dass die Wortspiele im Songtext genial sind und ich den Song total liebe, hätte ich gerne die Entstehungsgeschichte dieser Hommage von dir gehört.

Danke, danke, danke! Bathory waren eine der ersten Metalbands, die ich gehört habe, und ich habe sie vom ersten Ton an heiß und innig geliebt. Das war damals, als "Twilight of the gods" rauskam und ich als junger Nachwuchsbanger ständig neue Bands kennenlernen wollte, ich hörte dann auch mal in das Album rein und war sofort wie weggeblasen. Eine solch epische, dramatische Scheibe hatte ich noch nie gehört…natürlich mußte sofort das karge Taschengeld investiert werden. Kurze Zeit später kam noch "Hammerheart" dazu, und Bathory waren eine meiner absoluten Lieblingsbands, deren Alben ich ständig rauf und runter hörte. Ich habe Quorthon für sein immenses musikalisches Talent immer sehr bewundert. Deshalb war ich auch unheimlich schockiert, als er so plötzlich starb. Ich fühlte mich, als hätte ich einen engen Verwandten oder guten Freund verloren. Quorthons Musik bedeutete mir immer so viel, hatte mir durch viele schwierige Situationen im Leben hindurchgeholfen…und plötzlich war er tot. Ich mußte diese Trauer irgendwie kanalisieren, und ich wollte ihm ein Denkmal setzen, sein Andenken ehren, und ihm vielleicht etwas davon zurückgeben, was seine Musik mir gegeben hat. Ich wollte aber nicht einfach einen Bathory-Song covern, lieber einen Song schreiben, der ein wenig den Geist Bathorys transportiert und hoffentlich Quorthons würdig ist. Deshalb das epische Feeling in dem Song und die Verwendung der ganzen Songtitel. Bislang gab es noch wenig Rückmeldungen zu dem textlichen Inhalt des Songs, aber deine Worte zeigen mir, daß es noch mehr Fans gibt, die ähnlich empfinden wie ich. Laßt uns Quorthons Andenken ehren und Bathory am Leben halten, hail!

 

Ich finde, "Late At Night" klingt gegenüber den anderen Songs sehr kommerziell. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, denn meine Lieblingsschweizer von EMERALD fahren ja ein ähnliches Rennen. Absicht oder Kalkül?

Dazu kann ich nichts so genaues sagen, denn der Song ist ohne mein Zutun entstanden, ich habe nur nachträglich den Text geschrieben. Die anderen Jungs haben den Song damals spontan während einer Probe, bei der ich nicht anwesend war, geschrieben, insofern war das wohl eine ziemliche Geschichte aus dem Bauch heraus, so daß man nicht von Kalkül sprechen kann. Der Song ist ja auch relativ vielschichtig und teilweise auch nicht gerade eingängig. Ich bezweifle allerdings, daß es weiterhin solche Stücke von uns geben wird, da unser damaliger Gitarrist, auf dessen Mist der Song überwiegend gewachsen ist, mittlerweile nicht mehr dabei ist. Und wir werden auch keine Single auskoppeln oder ähnliche Dinge veranstalten, hehe…

 

Welche Ziele hat Till Oberboßel mit ELVENPATH in den nächsten fünf Jahren?

Elvenpath unterlagen in den vergangenen vier Jahren ja nahezu permanenten Besetzungswechseln, und auch jetzt fehlt uns gerade mal wieder ein Schlagzeuger. Insofern ist es mein Hauptziel, daß da endlich mal Ruhe einkehrt und wir eine feste Besetzung zusammenhalten können. Ansonsten wäre es schön, wenn wir live wieder häufiger präsent sein könnten. Wir würden gerne mehr auf Festivals spielen, da haben wir noch ziemlichen Nachholbedarf. Und wir würden auch gerne wieder touren, aber da kommt man auch nicht so einfach dran. Veröffentlichungstechnisch wollen wir auch 2009 schon wieder zuschlagen, da sich in den letzten Jahren doch einiges an Songmaterial angesammelt hat. Unsere Besetzungsprobleme haben uns da doch häufiger ausgebremst, ich hoffe, daß wir jetzt etwas konzentrierter und zielorientierter arbeiten können. Es wäre natürlich schön, wenn die Band bekannter würde und wir ein paar Stufen auf der Erfolgsleiter emporklimmen könnten, aber wir sind realistisch genug, um zu wissen, daß es da zig Bands gibt, die das gleiche wollen. Daher haben wir unsere Ziele doch recht niedrig gesetzt, aber das ist ok, glauben wir.


                                                                                    
Zum Schluss würde ich gerne noch von dir wissen, welches deutsche Album für dich persönlich eine Offenbarung ist und welches total überbewertet wird.

Der erste Teil der Frage ist leicht zu beantworten, auch wenn die Antwort vermutlich nicht gerade originell ist: "Imaginations from the other side" von Blind Guardian. Das Meisterwerk einer meiner absoluten Lieblingsbands, da stimmt einfach alles: geniale Songs, gute Texte, sauber eingespielt, Hansi Kürsch auf dem Höhepunkt seiner Power und dazu eins der schönsten Fantasycover überhaupt. Ich mag alle Alben der Band, aber "Imaginations" ist der definitive Höhepunkt für mich. Ich muß aber auch noch "Songs of moors and misty fields" von Empyrium nennen, das schlägt ja in eine ganz andere stilistische Kerbe, ist aber ebenfalls genial. Atmosphärisch und melancholisch bis zum abwinken, dabei aber nie kitschig, einfach ein wunderschönes Album, das bei mir auch beim 100sten Hören noch Gänsehaut auslöst. Überbewertet finde ich persönlich die Destruction-Alben nach der Reunion, da gibt es einfach deutlich bessere Thrashbands (Veteranen wie auch Newcomer), die meiner Meinung nach ein größeres Forum verdient hätten. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Vielen Dank für das Interview! Wir grüßen alle Leser und bitten sie, mal auf unserer Homepage vorbeizuschauen. Und wer gerne auf Trommeln und Becken eindrischt und noch Freizeit übrig hat, soll sich bei uns melden! Power Metal ist Krieg!
Vielen Dank!!!

Ja, es sind diese kleinen aber feinen Bands, die unsere Musik so besonders machen. Leider fällt es in der heutigen Metalzeit schwerer denn je, diese Juwelen zu entdecken, aber es gibt sie. Zudem imponiert mir der Realitätssinn meines Gesprächspartners, was im Endeffekt für die Band die besten Zukunftschancen verspricht. Wir werden den Weg von ELVENPATH auf alle Fälle weiter verfolgen und ich habe mit "Northern Son" eine weitere Ballade, die in meiner ewigen Bestenliste mit ins Altersheim geht. Danke, danke, danke, "Gates Are Open Wide For Northern Son!"

(Matthias Decklar)