RAZORBACK

So nah am Regenbogen

Nachdem das letzte Album der Band um Rolf Munkes nun nicht gerade der Bringer war und mir viel zu sehr auf modern getrimmt war, kommt der Gitarrenmeister nun mit einer Hammerscheibe um die Ecke, die alle RAINBOW Anhänger und Fans der früheren WHITESNAKE jubeln lässt. Verstärkt wurde die Band um Drummer Mike Terrana, der auch hier wieder einen Platztausch mit Andre Hilgers vollzogen hat und am Mikro ist kein Geringerer als Stefan Berggren zu finden, der seinerzeit auf dem BYH gezeigt hat, wie die alten Klassiker der Schlange zu klingen haben, als er mit den COMPANY OF SNAKES einen Mördergig auf die Platte legte. Nach beendeter Tour mit CORNERSTONE war es dann für uns an der Zeit, den Meister himself mal ein wenig auszuquetschen.

 

Hallo Rolf, vorweg mal ein großes Kompliment für das "Deadringer" Album. Zunächst würde ich gerne mal wissen, wie die Tour mit CORNERSTONE für euch gelaufen ist.

R.M. : Die Tour war Klasse. Wir haben alle irre Spaß gehabt und da Razorback ja das erste Mal auf Tour waren, haben wir natürlich vorher keine Ahnung gehabt, ob das Material auch Live funktioniert. Und es funktioniert! Wir waren echt erstaunt wie gut die Songs live abgehen.

 

Mir ist aufgefallen, dass doch der ein oder andere Veranstalter mit Mike Terrana geworben hat, obwohl klar war, dass er nicht mit von der Party ist. Unwissenheit oder Kalkül?

R.M. : Ich geh mal davon aus das der ein oder andere es einfach verschlafen hat. Das Mike mit Masterplan auf Tour ist, weiß ja nun jeder Veranstalter oder? Ich glaube kaum, dass es sich für nen Veranstalter lohnt mit was zu werben was es so nicht kommt. Da schneidet er sich doch ins eigene Fleisch, da ja die Leute dann doch eher sauer sind.

 

Warst du dir beim Songwriting darüber bewusst, dass nur ein Bluesgott wie Stefan Berggren diese Perlen im Stile von RAINBOW oder DIO veredeln kann oder hast du die Songs geschrieben, nachdem du Stefan bereits im Boot hattest?

R.M. :Wir haben diesmal ganz bewusst die Songs auf Stefans Stimme zugeschnitten. Stefan ist aber von Anfang an dabei, das war also nix Neues für uns. Das ist ja schon unser drittes Album zusammen. Wir wollten diesmal auch den Bluestouch, den er ja nunmal in der Stimme hat, integrieren. Und ich denke, dass hat prima geklappt.

 

Wie hat man sich die Zusammenarbeit der Herren Munkes, Heun, Terrana und Berggren vorzustellen?

R.M. :Chris und ich schreiben erstmal die Grundideen und anschließend schicken wir das Ganze zu Stefan, der dann mit ein paar Ideen aufwartet an denen wir dann wiederum weiterbasteln. Wenn wir soweit sind trommeln wir das ganze ein und nehmen dann weiter auf, bis das Ding fertig ist. An diesem Album waren wir ca. ein dreiviertel Jahr am schrauben. Für mich ist das jetzt eine absolut homogene Truppe, das hat menschlich als auch musikalisch super geil funktioniert.

 

Was mir als altem 80er Sack, der die Gitarrenarbeit von ACCEPT oder den alten SCORPIONS verehrt, aufgefallen ist, ist die Hingabe mit der du deine Soli auf dem Album spielst. Gerade der Song "Miracle Baby" hat es mir wirklich angetan. So eine geile Gitarrenarbeit habe ich schon lange nicht mehr gehört. Hast du bei "Deadringer" sehr viel Wert auf die Soli gelegt?

R.M. : Ich arbeite da immer sehr dran. Ein Solo hat für mich schon was besonderes. Wenn man schon eines macht dann sollte es auch Hand und Fuß haben. Nachdem ich ja beim letzten Album mal keine Soli gemacht hatte, habe ich diesmal wieder richtig Bock drauf gehabt, vielleicht lag es auch daran. Ansonsten hab ich vom Soloaufbau immer Herrn Gary Moore als Vorbild. Der Typ strukturiert seine Soli so wahnsinnig gut, das ist der Hammer. Er erzählt ne richtig kleine Geschichte in jedem Solo. Absolut nachahmenswert.

 

"Hero" ist für mich einer der stärksten DIO Songs des neuen Jahrtausends und "Line Of Fire" hättest du der Reunion von SABBATH zur Verfügung stellen können, die ja unter HEAVEN AND HELL firmiert. Hast du mit dieser Richtung nun den endgültigen Stil für RAZORBACK gefunden?

R.M. : Freut mich, ist auch einer meiner Favoriten. Als ich das Teil zum ersten Mal gehört habe, war alles klar. Das isses. Wir wollen uns schon nicht ganz in eine Ecke drängen lassen oder selbst drängen. Es ist schon cool wenn man auch den ein oder anderen musikalischen Ausflug machen kann. Das wäre schön wenn das so bleiben würde.

 

Deine Band ist nun sehr international besetzt. Ist es da nicht schwer, mal einen Einzelgig oder ein kleineres Festival zu spielen, bei dem Organisationsaufwand?

R.M. : Klar ist es schwerer, das ist immer ein Kompromiss, aber lieber den ein oder anderen Gig weniger aber dafür ne Hammertruppe. Das ist mir schon sehr wichtig.

 

Gerade kleinere Bands leiden momentan sehr unter der Download-Wut. Meiner Meinung nach sind CD's immer noch total überteuert, da sie in der Herstellung nicht mal 75 Cent kosten. Wärst du dafür, dass euer Album für 7,99 angeboten würde und die Chance damit größer wäre, eine angemessenen Verkaufszahl zu erzielen und somit den Bekanntheitsgrad zu erweitern?

R.M. : Ich finde die Preise auch zu hoch. Da könnte man ruhig etwas Fanfreundlicher mit umgehen. Mich hat zu DM Zeiten schon der Preis von über 20/22,- gestört. Wochen bevor unsere Scheibe raus kam, konntest du schon auf vielen der meist russischen Seiten unser Promo runterladen. Da stimmt was nicht. Ich denke aber, dass der Markt mitten in einem Wandel ist. Die aktuellen Zahlen beweisen das. Digitale Musikdownloads nehmen stark zu und CD Verkäufe gehen drastisch zurück. Wer weiß, vielleicht gibt es in einigen Jahren den Empire oder Razorback Stick zu kaufen. Oder gar nur noch den Download.

 

Läuft eigentlich bei deiner zweiten Band EMPIRE noch etwas oder hat RAZORBACK nun totale Priorität?

R.M. :Ich komme gerade aus London zurück, wo wir die Fotosession für das nächste Empire Album gemacht haben. Klar, das ist immer noch aktuell und ich hab wieder ne Megabesetzung zusammen. Neil Murray ist natürlich wieder dabei, ohne ihn kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen. Und zwei andere Wahnsinns Leute, deren Namen ich noch nicht verrate.

 

Dann sag ich mal vielen Dank für deine Zeit und Mühe und hoffe, dass das Album den verdienten Erfolg einfährt und RAZORBACK vielleicht in den nächsten Jahren als deutsches Pendant für Bands wie RAINBOW und DIO stehen wird.

R.M. Vielen Dank für das Interview, Mathias. Hoffe, wir sehen uns mal auf Tour!

(Matthias Decklar)