10.04.2008 SAARBRÜCKEN - GARAGE

KAMELOT

FIREWIND
FOREVER SLAVE

Nach der wirklich tollen Livescheibe "One Cold Winter's Night" und dem Genuss der dazugehörigen DVD war ich sehr gespannt, ob KAMELOT diesen Eindruck im normalen Touralltag werden halten können. Nach einigen Terminen im britischen Königreich enterte das Billing Festland und fand sich an einem regnerischen Aprilabend in der saarländischen Landeshauptstadt ein. Die Unsitte, dass der Opener vor dem angekündigten Beginn bereits die Bühne wieder verlassen hat, war auch bei dieser Tour an der Tagesordnung und FOREVER SLAVE spielten bei meinem Eintreffen um kurz vor acht bereits den letzten Song. Da man sich aber untereinander kennt, wurde mir von fachmännischer Seite bescheinigt, dass die Band einen engagierten Gig absolvierte, aber noch etwas Luft nach oben hat, was die Liveumsetzung der Gothic angehauchten Songs angeht.

 

Ungeduldig wartete ich dann auf FIREWIND. Die Griechen haben mittlerweile eigentlich nur starke Alben im Gepäck und man durfte gespannt sein, ob die Südländer vor KAMELOT bestehen konnten. Der Einstieg mit zwei Songs im Midtemp-Bereich war meiner Meinung nach etwas unglücklich gewählt, denn ein schneller Kracher wäre hier sicher angebrachter gewesen. Die Fans in der Garage waren auf alle Fälle bereit eine geile Metalparty zu feiern und nahmen die Griechen mit offenen Armen auf. Positiv auffällig war der extrem knallige Schlagzeugsound von Marc Cross, der wirklich Metal war. Insgesamt war es aber viel zu laut und wenn selbst mein Ohr schmerzt, was selten vorkommt, ist die Grenze des guten (lauten) Geschmacks lange überschritten. Von der Songauswahl her versuchte man einen gesunden Mittelweg zwischen Klassikern und Songs des aktuellen Albums "The Premonition" zu finden, wobei man sich natürlich, wie immer, über die Klassikerauswahl streiten kann. Sänger Apollo Papathanasio konnte mich nicht ganz überzeugen, denn auf den Platten kommt seine Stimme kräftiger und voller rüber. Gus G. ist natürlich ein absoluter Ausnahmegitarrist, aber auch er hat dann zu kämpfen, wenn die Soundabstimmung nicht ganz passt. Letztendlich waren die Gesichter der meisten Besucher aber zufrieden, wenn auch nicht restlos von FIREWIND überzeugt.

                  

Nach der halbstündigen Umbaupause schaute ich beim einsetzenden Intro mal in die Runde und würde die Anwesenden auf gut 400 schätzen. Eine schöne Zahl für KAMELOT, wobei sich herausstellen sollte, dass nahezu alle Metalalians auch tatsächlich gekommen waren, um Khan und seinen Rittern zu huldigen. Den Platz am Keyboard hat mittlerweile DORO Gitarrist und Tastenmann Oliver Palotai inne, der rein optisch einen grandiosen Gegenpol zum kurz gehaarten Fronter darstellt und der Band mit seiner Ausstrahlung sehr gut tut. Im Gepäck hatten KAMELOT die aufgemotzte Version des "Ghost Opera" Albums, wobei klar ist, sollte die Multi-Kulti-Truppe kein Album mehr rausbringen, hätte sie genügend Material, um eine Headliner-Show zu füllen. Nach dem obligatorischen Geigen-Intro legte die Band mit "Rule The World" einen standesgemäßen Beginn hin und das Publikum fraß Sänger Khan sofort aus der Hand. Der Sound war plötzlich optimal und die massiven Lautstärkenprobleme von FIREWIND gehörten der Vergangenheit an. Die geräumige Bühne der Garage wurde von der Band voll genutzt und war während des gesamten Gigs in wunderschönes abgestimmtes Licht getaucht. Basser Glenn Barry und Thomas Youngblood an der Gitarre hatten ebenso Lust auf die Show wie das Tier hinter den Drums, Casey Grillo. Das Ganze wirkte wie aus einem Guss und die Stimmung unter den Fans stieg von Song zu Song. Der Bombast Metal von KAMELOT kommt live auf alle Fälle noch ein paar Spuren besser, wie auf den Alben, was natürlich auch in erster Linie an der herausragenden Stimme von Khan liegt, der sich keine Blöße gab und jeden Ton perfekt traf. Auf die stimmliche Unterstützung von EPICA Sängerin Simone musste die Band leider verzichten, aber auch der Ersatz war vom Feinsten und bot sowohl optisch wie stimmlich eine perfekte Show. Am meisten abgefeiert wurden natürlich die Smasher "Center Of The Universe" und "Forever", sowie "The Black Halo" und "Karma". Nach knapp zwei Stunden ging wohl keiner der Garagenbesucher unzufrieden heim und mich haben KAMELOT absolut überzeugt. Das war eine Liveshow die jeden Euro wert war.
                  

SETLIST :

Solitaire

Rule The World

When The Lights Are Down

Soul Society

Pendulous Fall

Center Of The Universe

Abandoned

Descent Of The Archangel

The Human Stain

The Haunting

Eden Echo

Key Solo

Forever

 

Ghost Opera

Don't You Cry

Karma

(Review: Marco Schneider)