REST or UNREST?

Seit langer Zeit hält eine Reunion mal, was sie verspricht und UNREST legen bis dato mit "Back To The Roots" ihr stärkstes Album vor. Für uns ein Grund, den Nordmännern mal auf den Zahn zu fühlen, warum es sechs Jahre nach der Trennung zu einer Wiedervereinigung kam. 
Drummer Guido Hettwer nahm sich für uns Zeit, um Auskunft über all das zu geben, was sich im Lager der Norddeutschen ereignet hat.

 

Guido, raus mir der Sprache. Wann habt ihr euch entschieden, den überquellenden Metalmarkt mit einer neuen UNREST zu füttern?

Nachdem wir UNREST einige Jahre aufgrund einiger Meinungsverschiedenheiten auf Eis gelegt hatten, kamen Anfang 2004 Claus und Sönke mit der Idee auf mich zu, die Band wieder in`s Leben zu rufen.
Nachdem wir uns dann ausgesprochen hatten, war klar, dass wir noch mal richtig loslegen wollten. Wir fanden in unserem früheren Backliner Andre Neuhaus (Bass) und Claus seinem alten Kumpel Marco Liedtke (Git.) schnell zwei neue Mitstreiter. Wir fingen dann sofort an, neue Songs zu schreiben und nachdem wir wieder unseren ersten Gig seit Jahren in Bremen vor extrem dankbaren und begeisterten Fans spielten, war für uns klar, dass wir ein neues Album auf den Markt bringen werden.

 

Erzähl doch mal kurz, was DU seit dem letzten Album so getrieben habt, denn du warst ja auch mal raus aus der Band.

Das ist sehr schnell erzählt, denn ich habe in der Zeit zwischen 2000 und 2004 musikalisch überhaupt nix gemacht! Nachdem es für mich UNREST nicht mehr gab, habe ich meine Drums verkauft und wollte mich damit abfinden, dass ich in Zukunft keine Mucke mehr machen werde. Das war für mich keine gute Zeit, da mir das alles sehr gefehlt hatte. Ich war dann auch sehr froh, als wir vor 2 Jahren wieder zusammen gefunden haben.

 

Das neue Album ist ja nun eine GERMAN METAL ATTACK erster Sahne. Ich fühlte mich so richtig wohlig an gute STEELER/TRANCE/FAITHFUL BREATH Zeiten erinnert, garniert mit etwas TALON und frühen ACCEPT. Wart ihr euch während der Aufnahmen bewusst, was für ein geiles Teil ihr da loslassen werdet?

Wir schreiben natürlich nur Songs, die wir selber auch geil finden. Man ist aber vor den Aufnahmen im Studio immer sehr gespannt, wie es am Ende klingen wird und rüberkommt. Dir nützen die besten Songs nichts, wenn sie nachher auf der Scheibe drucklos klingen. Wir hatten bei dieser Produktion schon gleich bei den ersten Aufnahmen ein sehr gutes Gefühl und als der Mix dann fertig war, wußten wir alle sofort, dass diese Scheibe einer unserer besten ist. Alleine vom Sound her  ist dieses Album ein riesiger Schritt nach vorne.

 

Warum habt ihr die Vocals aufgeteilt. Kann euer Sänger Sönke Lau keine Balladen singen, oder wie?

Bei uns hat die Balladen schon immer Claus gesungen. Sönke kann zwar auch gut clean singen, aber Claus Stimme passt einfach besser dazu. Zu "We Will Rock" hatte Claus die Idee für die Gesangslinie und hatte sie einfach mal im Studio als Arbeitsspur gesungen. Wir fanden das sofort klasse und so ist es dann auch geblieben. Außerdem kann etwas Abwechslung auf einem Album nicht schaden.

 

Zu der Ballade "Burning Desire" möchte ich noch anmerken, dass sie direkt in meine Alltime-Top 10 deutscher Balladen eingezogen ist, ein Hammerteil!

Freut mich sehr, dass Dir das Teil so gut gefällt, ich find sie auch tierisch geil! Die Idee dazu stammte von Claus, der schon immer ein Händchen für gute Balladen hatte.

 

Habt ihr die Songtitel bewusst so true gewählt, denn "Bang Your Head" oder "Go To Hell" sprechen ja eine deutliche Sprache?

Wir überlassen eigentlich kaum etwas bei songwriting dem Zufall. Wir sind und waren schon immer sehr true. Es wird uns ja auch von einigen Kritikern immer wieder gerne vorgeworfen, dass wir keine Experimente machen und angeblich angestaubt klingen. Wir kommen aus den 80ern und wir werden unseren Stil auch nicht großartig verändern. Es gibt genug Bands, die
versuchen, den Metal neu zu erfinden und immer wieder neue Metal-Sparten basteln. Daran wollen wir uns nicht beteiligen. Wir bleiben unserem Stil und unseren Fans treu, denn es gibt noch viele Leute, die auf den guten ursprünglichen klassischen Metal abfahren.

 

Ihr wart für das Börsencrash Festival angekündigt und dann nicht dabei. Was war da los?

Ja, das war für uns sehr ärgerlich! Einige Wochen, nachdem wir für das Festival zugesagt hatten, bekam unser Basser Andre von seinem Arbeitgeber die Nachricht, dass er für einige Wochen nach England auf Montage fahren müsse. Er hat dann natürlich versucht, das noch zu umgehen oder zu verschieben, aber es hat nicht geklappt. Uns blieb also nichts anderes übrig, als den Gig abzusagen. Das war bei uns das erste Mal, dass wir wegen dem Job einen Gig absagen mussten.

 

Wie siehst du denn die deutsche Szene momentan und wo wollt ihr hin. Habt ihr noch Großes vor mit UNREST oder sagt ihr, wir spielen ein paar Gigs im Jahr und das war es dann?

Ich denke, die deutsche Metal Szene hat sehr viele gute Bands mit sehr viel Potential hervorgebracht. Viele Bands, die heute ganz oben mitspielen, gab es zu unserer Anfangszeit noch gar nicht. Wir wollen mit UNREST noch mal richtig mitmischen. Wir arbeiten jetzt schon wieder an neuen Songs für das nächste Album und vielleicht klappt es ja auch noch im nächsten Jahr mit
einer Tour.


                                                                                    
Zum Schluss noch bitte deine Top 5 des deutschen Metals.

Das ist nicht so einfach, ich finde sehr viele deutsche Bands echt klasse! Zu meinen Favoriten gehören aber ganz klar Bands wie RAGE, U.D.O & ACCEPT, PRIMAL FEAR uvm.
Vielen Dank!!!

Ich bedanke mich natürlich auch und bin ziemlich sicher, dass bei UNREST noch was gehen wird. Die Jungs sind
viel zu gut, um in der Metalmasse zu versinken.

www.unrest-metal.de

(Matthias Decklar)