Das superbe Debüt von DESTINATION’S CALLING war dann doch mehr als ein Grund, bei den Süddeutschen mal anzuklopfen und nach dem verehrten Befinden zu fragen.
Hallo Markus,
gib unseren Lesern doch bitte mal einen kurzen Abriss darüber, wie ihr euch gefunden habt und was ihr bisher so musikalisch getrieben habt.
- Hi! Also unsere Band Destination’s Calling gibt es mittlerweile seit bald acht Jahren. Die noch übrig gebliebenen Gründungsmitglieder Christian Gräter (Gesang/Gitarre) und ich (Gitarre) haben uns damals während unserer Schulzeit kennen gelernt und haben zunächst gemeinsam in einer DC-Vorgängerband gespielt. Daraus ging dann die Stammformation von Destination’s Calling hervor und in den letzten Jahren kamen dann durch Besetzungswechsel Christian Frank (Drums) und Steffen Singler (Bass) hinzu.
Schon zu unserer Gründungszeit haben wir dem melodischen Power Metal gefrönt und sind dieser Linie bis heute treu geblieben J.
Im Jahr 2001 brachten wir unsere erste Demo-CD „Mastery of the Light“ in Eigenregie raus und konnten schon damals einigen Achtungserfolg verbuchen. Auch live haben wir es ordentlich krachen lassen und traten in der Vergangenheit mit Bands wie Brainstorm, Freedom Call, Vision Divine, Ektomorf, Majesty, Grave, Disbelief und vielen mehr auf.
Im Jahr 2003 haben wir zwei weitere Promo-CD’s rausgebracht, wobei sich uns vor allem mit der letzten, professionell aufgenommenen Promo viele Türen öffneten. So konnten wir unseren Song „Turning Away“ auf dem 9. Metal Crusade-Sampler des Heavy Magazines platzieren.
Euer Debüt „Invisible Walls“ ist meiner Meinung nach sehr old school. Ihr macht richtig guten Melodic Metal, verzichtet aber völlig auf all diese neumodischen Einflüsse. Seid ihr jungen Kerle totale Traditionalisten oder habt ihr keine Lust Geld zu verdienen?
- Als Traditionalisten würde ich uns keinesfalls bezeichnen. Wir machen einfach nur den Sound, der uns gefällt. Was bei uns im Vordergrund steht ist der Spaß an der Musik und das mit dem Geldverdienen im Musikbusiness ist für uns sowieso Utopie. Da macht es keinen Unterschied, ob wir nun neumodisch oder „old school“ klingen.
Ich habe jetzt schon von vielen Rezensenten gehört, dass sie uns nicht eindeutig zuordnen können. Es wurden Vergleiche zu Bands wie Queensryche, Fates Warning, Freedom Call, Edguy, Helloween, Blind Guardian, usw. hergestellt. Ich denke, uns ist es gelungen, mit dem neuen Album eine Balance zwischen dem 80er-Stoff der Sorte Queensryche / Fates Warning und den Melodic Bands der neueren Generation zu finden und daraus einen eigenständigen, druckvollen Sound zu kreieren. (Da hast du verdammt recht! Anm. Matthias)
Was mich neben der Musik sehr beeindruckt hat, sind die Texte. Das sind keine 08/15 Geschichten, sondern sehr reif wirkende Gedanken, die ihr da verarbeitet. Erzähl doch mal, wer für die Texte verantwortlich ist und was ihr thematisch in den Songs umgesetzt habt.
- Vielen Dank für das Kompliment. Die Texte auf dem neuen Album sind größtenteils aus meiner Feder. Einige Textzeilen oder Ideen entstehen zwar im Songwritingprozess (der Epilog ist z.B. von unserem Bassisten Steffen Singler), wo jeder seinen Senf dazugeben kann, aber die Ausarbeitung wurde dann von mir vorgenommen.
Die meisten thematischen Hintergründe entstammen eigentlich aus dem alltäglichen Leben. Nimm z.B. den Song „Invisible Walls“. Jeder kennt doch das Gefühl, ab und zu von unsichtbaren Mauern umgeben zu sein und nicht über seinen eigenen Schatten springen zu können. Oder bei „Turning Away“: der Song handelt von der Sensationsgeilheit der Medien und der daraus entstehenden Abstumpfung der Menschen. Bei den TV-Sendern bricht doch schon beinahe ein Wettkampf aus: „Wer sendet das grausamstes Bild?“.
Hast du ein besonderes Lieblingsstück auf der Platte? Mir persönlich läuft beispielsweise „Sinthetic“ megamäßig rein.
- Hmm..., das ist jetzt schwierig. Bei mir ist es meistens so, dass ich temporäre Lieblingsstücke habe. Mal höre ich den Song am liebsten, mal den. Bei den Bandproben ist es so, dass vor allem „Fallen from Grace“, „Trapped in Silence“, „Sinthetic“ und „Invisible Walls“ am meisten Spaß machen (das soll jetzt aber nicht heißen, das die anderen Songs kein Spaß machen J ).
Die Qualität der Produktion hat mich ehrlich gesagt sehr überrascht.
Ihr habt die Platte selbst mitproduziert und in eigener Regie veröffentlicht. Hat keine Firma angebissen oder hattet ihr keinen Bock auf einen miesen Deal?
- Ja, bei der CD-Produktion haben wir diesmal wirklich keine Mühen gescheut. Wir wollten das bestmögliche Ergebnis und das haben wir auch erreicht. Die Plattenfirmen haben wir natürlich auch angeschrieben und uns bei ihnen beworben. Leider kamen – wenn überhaupt – nur Absagen und nach einem dreiviertel Jahr ergebnisloser Suche und Warterei haben wir uns dann dazu entschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Im Endeffekt war es für uns zum jetzigen Zeitpunkt die beste Lösung.
Wie sieht das nächste Jahr von DESTINATION’S CALLING aus? Gibt es schon neue Songs oder die Möglichkeit zu touren?
- Momentan entstehen schon wieder erste Ideen und wir arbeiten auch konkret an drei neuen Stücken. Wir hoffen natürlich, dass wir mit dem Songwriting gut durchkommen, um schnellstmöglich die nächste Scheibe veröffentlichen zu können. Vorher wollen wir auf alle Fälle so viel wie möglich live präsent sein. Und mit etwas Glück ergibt sich vielleicht auch der ein oder andere Auftritt mit „größeren“ Bands. Eine groß angelegte Tour ist zurzeit nicht in Planung, aber wie gesagt, wir werden schauen, dass wir gut rumkommen werden.
Zum Abschluss sag mir doch mal, welche 5 Scheiben jeder anständige Banger in seinem Schrank haben sollte.
- Nevermore – Dead Heart in a dead World
Nevermore – This godless endeavor
Queensryche – Operation: mindcrime
Savatage – Edge of thorns
Judas Priest – Painkiller
Da kann ich mich nur für diese ausführlichen Aussagen bedanken und den Jungs alles Gute wünschen. Der metallischen Meute da draußen, gebe ich an dieser Stelle nochmals die dringende Kaufempfehlung!
(Matthias Decklar)