5 Fragen an Stefan Lang
(Josh Kramer from Saint)

 

Nachdem ich Stefan Lang im Januar kennen gelernt hatte und von seinem Plan erfuhr, seinen Lieblingssänger Josh Kramer nach Deutschland einfliegen zu lassen, wusste ich, dass wir Metalheads mit unserer Idee, Konzerte zu veranstalten, nicht die einzigsten Bekloppten in der Umgebung sind. Weder hatte er im Lotto gewonnen noch eine Bank ausgeraubt. Hier herrscht purer Idealismus vor, der leider auch im Metalbereich vielen abgegangen ist. Nachdem wir uns ein Bild vom musikalischen Schaffens des guten Josh und seiner Band gemacht hatten, war klar, dass wir diese kultige Zusammensetzung verpflichten müssen und dass hier mindestens die Position des Co-Headliners im Billing angesagt ist. Saint vereinen die besten Traditionen amerikanischen Metals der 80er Jahre, verbunden mit einem gehörigen Schuss Judas Priest, zu Defenders- oder Point-Zeiten.

Grund genug, Stefan über den Stand der Dinge zu befragen:

 

1. Stefan, du bist normalerweise Schlagzeuger bei ADORNED GRAVES. Erzähl mal was über die Band!

Zunächst einmal möchte ich mich bei den Metalheads bedanken, denn die Möglichkeit, auf der HN II mit Josh Kramer aufzutreten, hat mir sehr bei der Entscheidung geholfen, diese Geschichte in die Realität umzusetzen.
Jetzt zu deiner Frage: Die ADORNED GRAVES gibt es ca. seit 1990, und zusammen mit meinem Bruder spielen wir eine Mischung aus Hardcore, Thrash Metal, Death Metal, Heavy Metal, Doom Metal, etc. Da steht der Spaß natürlich im Mittelpunkt, denn warum sonst sollten wir solche Musik machen? Wir selbst sind große Fans und dadurch, dass das Musik machen bei uns nicht die absolute Priorität besitzt, haben wir bisher noch nicht mehr als zwei offizielle Auftritte und bessere Proberaumaufnahmen zu verzeichnen.

Aber dennoch gehen wir engagiert zu Werke, was wir mit unserem Auftritt am 1. Oktober (zusammen mit ROB ROCK und NARNIA auf dem Metalfest ( http://www.metalfest.de ) unter Beweis stellen wollen. Unser Traum ist es, einmal unsere Songs so auf CD produzieren zu können, wie sie in unseren Köpfen existieren. Ob es tatsächlich einmal so klappen wird, bleibt offen, aber auf alle Fälle haben wir dieses Ziel für das nächste Jahr im Hinterkopf. Wer uns besuchen möchte, der klicke bei http://www.adorned-graves.de vorbei.

 

2. Nicht jeder lädt sich seinen Lieblingssänger aus Übersee für ein paar Konzerte nach Deutschland ein. Wie kam denn der Kontakt mit Josh Kramer zustande und wie konntest du ihm die Konzerte in Deutschland schmackhaft machen?

Das war ganz einfach, da ich manchmal spontan sein kann und grundsätzlich etwas bekloppt bin ;-) Über das Internet habe ich Kontakt zu und Josh Kramer aufgenommen, da ich gelegentlich für www.powermetal.de schreibe und für dieses Magazin auch ein Interview mit den Jungs geführt habe. waren seit jeher eine meiner Lieblingsbands und als sie sich vor ein paar Jahren wieder formierten, bin ich natürlich im Dreieck gesprungen. Mit Josh Kramer habe ich dann immer regelmäßiger gemailt, und letztlich kam von ihm selbst der Wunsch, einmal nach Deutschland zu kommen. Ich habe dann hin und her überlegt und Möglichkeiten ausgelotet, bis mich dann die Zusagen von euch und Georg von Powermetal.de für die NIGHT OF POWER, vor allem aber meinen Freunden und musikalischen Mitstreitern (die Jungs von ) zu diesem Schritt bewogen haben. Natürlich habe ich erst überlegt, die komplette Band einzufliegen, aber das war unmöglich zu realisieren, alleine schon aus finanziellen Gründen.

 

3. sind eine White Metal Band. Kannst du etwas über die Tradition des White Metals berichten und deine Haltung zu diesen Eingliederungen (White Metal, Black Metal etc.) erläutern!

White Metal ist in den 80ern entstanden, quasi als eine Art Gegenbewegung zum damals weit verbreiteten Okkultismus im Heavy Metal. Ich erinnere mich noch sehr gut an diese Zeit, denn damals hatten die White Metal Bands einen schwierigen Stand in der Heavy Metal Szene. Die Vorurteile waren doch recht groß und wirklich jede Band wurde damals mit STRYPER verglichen, obwohl White Metal eigentlich nichts mit der musikalischen Ausrichtung einer Band zu tun hat, sondern sich auf die christlichen Texte dieser Bands bezieht. Auch wurde der Fehler begangen, sämtliche christlich beeinflussten Bands in die "Bibelwerfer" und "Predigerecke" zu drängen. Auf der anderen Seite waren die Vorurteile über die sogenannte "säkulare" (also übliche) Heavy Metal Szene in der christlichen Szene auch vorhanden. Außerdem haben die Plattenfirmen der christlichen Bands leider nicht für eine gute Promotion außerhalb der eigenen Szene gesorgt.

Letztlich hat aber die Qualität damaliger White Metal Bands dann dazu geführt, dass sie aktzeptiert wurden. Mit welchen musikalischen Kritikpunkten kann schon jemand ernsthaft gegen Bands wie , TOURNIQUET oder STRYPER (um nur drei wichtige zu nennen) ins Felde ziehen? Ich denke, spätestens die Ausnahmeband SAVIOUR MACHINE hat dann 1993 mit ihrem Debut endlich die Anerkennung in der gesamten Szene erhalten und seither sind beide Szenen auch mehr zusammen gewachsen. Ich selbst kenne keinen White Metaler mehr, der nicht auch oder hören würde. Ich würde sogar behaupten, dass die White Metal Szene kaum noch existiert, weil es wenige Bands gibt, denen die Botschaft wichtiger als die Musik ist, oder die sich diese Bezeichnung ("White Metal Band") auch anheften würden (Südamerika mag hierfür eine Ausnahme sein). zum Beispiel legen zwar heute noch sehr viel Wert auf ihre Texte, aber die Musiker sind auch 100%ige Metalfans und versuchen nicht, jemanden mit der Bibel zu erschlagen. Daher bezeichnen sie ihre Musik als "Apokalyptischen Metal". Ich persönlich höre mir sicher lieber solche Texte an, als stumpfsinnige oder gar hasserfüllte Texte, die beispielsweise nichts anderes als Kill, Fuck, Die beinhalten - höre selbst aber auch SLAYER und habe nix gegen * hihi *

 

4. Wer spielt noch in der Band, wie laufen die Proben und wann betritt Josh deutschen Boden?

Wie gesagt, die Jungs von . Nur sitze ich anstatt Volker am Schlagzeug und Patrick spielt nur Gitarre, da Josh logischerweise singt (er landet am 4. Oktober in Deutschland). Natürlich habe ich auch hier zunächst an meinen Bruder (der ebenso ein großer Fan ist) oder alte White Metal Kollegen gedacht, das war aber wegen dem Aufwand nicht zu realisieren und so haben wir den großen Vorteil, dass wir praktisch ein eingespieltes Team sind (ich hatte ja vor vielen Jahren mit Patrick und Tilmann musiziert). Auf alle Fälle bin ich den Jungs dankbar, denn wenn sie nicht so bekloppt wären und ihre Zeit für diese Geschichte geopfert hätten, dann wäre es einfach nicht zu realisieren gewesen. Bei den Proben bin ich eigentlich fast immer positiv überrascht, wie gut es letztlich funktioniert. Es ist sicher nicht immer einfach und manchmal auch etwas stressig, gerade für mich, weil ich im letzten Jahr krankheitsbedingt kein Schlagzeug spielen konnte, aber letztlich denke ich, dass die Zusammensetzung aus "Herzblut" und "Perfektionismus" bei uns sehr gut funktioniert. Ich bin sehr gespannt, wie es letztlich von der Bühne klingen wird und ob uns die Optimierung dieser beiden Begriffe gelingt.. * HAHA *

 

5. Was dürfen die Fans der HBN II von eurem Gig erwarten?

Heavy Metal pur!!! Ich persönlich denke, dass Josh Kramer auch gehobene Ansprüche erfüllen kann und den offenen Heavy-Fan überzeugen wird. Josh besitzt einfach ein herausragendes Organ und ich glaube, dass er das Publikum mitreißen wird. Wir anderen werden natürlich 100% geben, darin besteht kein Zweifel. Ich bin normalerweise immer sehr vorsichtig mit Erwartungen, aber wenn nicht die Bühne abfackelt, das Schlagzeug auseinanderfällt, oder Josh Kramer den Flug verpasst, dann wird es ein sehr geiler Abend werden. Ich weiß nur noch nicht, ob ich selbst das ganze Konzert über angespannt sein werde, einfach nur grinse, oder extrem abfahren werde, oder aber etwa heulen muss.. Da ich jedoch auch Schlagzeug spielen muss, wird es wohl eine Mischung aus allem werden..

 

(Matthias Decklar)