Dem Streit, ob Vanden Plas nun noch mit DT zu vergleichen ist oder nicht, ob sie schon besser sind oder noch besser werden, ob Twix irgendwann wieder Raider heißt oder der Papst evangelisch wird, möchte ich an dieser Stelle nichts mehr hinzufügen.
Fest steht, sind mittlerweile eine Liga für sich. Dies muss auch ein Metaller zugeben, der eher für die straighten Sachen zu haben ist.
Dass die Band sich, durch ihr Engagement im Musicalbereich, nochmals weiterentwickelt hat, steht außer Frage. Doch möchte ich nicht die Begrifflichkeit "Musical-Metal" oder "Theater-Rock" einführen, da diese sicherlich wieder negativ ausgelegt würde. Vier Jahre nach ‚Beyond Daylight' legen die Pfälzer Söhne ein Monumentalwerk vor, welches in den Olymp des Prog-Rocks eingehen wird.
Dem Album liegt, wie es der Titel erahnen lässt, ein Konzept zugrunde, welches hoffentlich, nach ‚Abydos', im Pfalztheater ausgeführt wird. Wer die Band und den Meister der Lyrics, Andy Kuntz kennt, der weiß, dass man nicht nur eine simple Wiederholung des Dumas-Stoffes verfasst, sondern eine ganz eigene Story kreiert hat, bei der Gut und Böse nicht so eindeutig voneinander zu trennen sind. Schnappt euch also das Booklet und taucht in die Welt des Grafen von Monte Christo ein.
Musikalisch etwas an einem Album aussetzen zu wollen wäre so, als würde man Jürgen Klinsmann Fähigkeiten im Trainerjob bescheinigen. Die fünf Mannen sind allesamt Ausnahmekönner an ihren Instrumenten und zeigen bereits mit dem Titelsong, dass vier Jahre warten, sich mehr als gelohnt haben. Es fällt schwer, einzelne Lieder genauer zu beschreiben, ist doch jeder Song ein kleines Kunstwerk für sich und enthält Ideen, die sich bei anderen Bands sonst kaum auf einem ganzen Album befinden. "Postcard to God" läuft mir diesbezüglich quasi als Winzersekt unter den Champagnern rein und auch "Fireroses Dance" ist unbeschreiblich dicht an Atmosphäre und Wirkung.
Genauso gut könnte ich aber auch "January Sun" (wow) oder "Lost in Silence" nennen.
Ihr merkt schon, dass es wesentlich einfacher ist, eine oder Scheibe zu besprechen, zumal, wenn der Schreiber ein eher einfaches 80er Metalgemüt hat. ‚Christ0' ist definitiv Futter für alle Rock- und Metalfans, die die Geduld haben eine Scheibe genauer unter Lupe zu nehmen und die nötige Zeit mitbringen, dass sich einem dieses Meisterwerk eines Tages in Gänze erschließt.
Fazit:
Setzt euch in euren Lieblingssessel, zieht ne Flasche guten Rotwein auf, legt ‚Christ0' rein und lasst euch von diesem Scheibchen verzaubern. haben eine Stufe der Rockmusik erreicht, bei der sie nicht mehr zu kritisieren sind, sondern bei der man nur noch staunend vor der heimischen Anlage sitzt und Gott dank, dass es Musik, dass es solche Musik gibt.
(Matthias Decklar)
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