Metalheads Album-Tipp MÄRZ 2006:

DORO– Warrior Soul

 

Knapp vier Jahre hat es gedauert, bis Deutschlands Metal Queen ihren Getreuen endlich frisches Hörfutter serviert. Hat sich das Warten gelohnt, fragt sich der gemeine Fan, in Zeiten wo die einstigen Heroen es immer seltener gebacken bekommen?
Ja, es hat sich gelohnt!! Klar, könnte ich auch hier beginnen und sagen, dass ‚Warrior Soul' kein neues ‚Triumph and Agony' ist, aber davon sollten wir uns alle verabschieden und neuen Alben eine ehrliche Chance geben.

Der Opener "You're My Family" ist eine Widmung an alle Fans, die Doro über Jahre hinweg die Treue gehalten haben. Von den letzten Scheiben wissen wir, dass die Opener bei der Düsseldorferin, seit "All we are", nicht immer der Oberhammer sind. Der Titel kommt nett daher, geht aber auch nett wieder vorbei. Wichtiger ist hier aber die Message. Jeder, der Doro einmal persönlich kennen gelernt hat weiß, dass sie für ihre Fans alles tut und immer eine von uns geblieben ist.
Typisch für Doro, es wird ab Numero zwei durchgestartet. "Haunted Heart" ist ein cooler Smasher, der jede Metaldisco bereichern wird und alle Trades eines guten Doro-Songs hat.
Mein persönlicher Favorit kommt im Anschluss, mit "Strangers Yesterday". Dieses Lied wird ein Klassiker werden. Langsamer Gitarrenbeginn, einsetzendes Schlagzeug und dann eine engelsgleiche Stimme, die uns "together we belong" zuruft. Yes, das wollen wir hören und dann geht es im Midtempo weiter, bis zum Refrain, der dir sicherlich die nächsten Tage nicht mehr aus dem Ohr geht.
Beim nächsten Song "Thunderspell" stinkt mir nur der Titel, denn man hat sich dem einzig wahren Titel "Heavy Metal Thunder", so heißt es nämlich im Schlachtruf, verweigert, warum auch immer. "Thunderspell" ist ein fetter Tritt in den Allerwertesten und zeigt, dass es Doro immer noch kann und das nicht nur im Balladenbereich.
Die beiden nächsten Songs, "Warrior Soul" und "Heaven I See" sind dann lupenreine Träumereien, wobei ersterer natürlich im direkten Bezug zu Doros Filmtätigkeiten steht. Der Streifen, so im Bereich Conan der Barbar anzusiedeln, wird dieses Jahr in die Kinos kommen und unser Goldkehlchen spielt darin eine Kriegerin. Die zweite Ballade läuft mir besser rein und rutscht direkt in meine alltime Top 10, was Doro Balladen angeht. Jawoll, ich habe den Himmel gesehen, kann ich da nur bestätigen. Irgendwie erinnert mich der Song auch an "Without you", die erste Warlock Ballade von ‚Burning the witches'.
"Creep Into My Brain" creept bei mir irgendwie nicht so und kommt recht belanglos daher. Keineswegs schlecht, bei jeder Popdiva würde er zu einem massiven Radioeinsatz reichen, aber man würde den Song auf der Platte auch nicht vermissen.
Mit "Above The Ashes" wird es nochmals balladesk und da macht Doro eigentlich nie was falsch. Einfach schön läuft das Stück einem den Rücken runter und bei jeder Ganzkörpermassage wäre das Lied eigentlich mit zu verschreiben.
Richtig rockig wird es dann wieder mit "My Majesty", ein typischer Rocker, der live bestimmt gut abgeht und absolut nichts zu Wünschen übrig lässt. Vom Schlagzeug nach vorne gepeitscht, holt die Queen hier noch mal den Hammer raus und der Mitsingteil für die Livekonzerte ist quasi mit eingebaut.
"In Liebe Und Freundschaft" dürfte von der Singleauskopplung bekannt sein. Hier wird die Tradition der deutschsprachigen Balladen fortgesetzt. Textlich, wie immer, sehr rührig und mit viel Sinngehalt. Dass deutsche Texte anspruchsvoll sein können, wissen wir nicht erst seit den Cousinen Mannheims, nein, das hat Doro schon vor langer Zeit bewiesen.
"Ungebrochen" ist dann deutsch und schnell und kurz. Wenn ihr den Song hört, wisst ihr, was ich meine. Zum Abschluss wird es nochmals sanft und "Shine On" bildet einen weiteren ruhigen Höhepunkt des Albums.

Fazit:
Für Doro Fans wird das Album eine wahre Freude sein, weil es alles das bündelt, was die Düsseldorferin über Jahre so erfolgreich gemacht hat. Knackige Rocksongs und sanfte Balladen, sind die Zutaten, die schon immer ein gutes Doro Album ausgemacht haben. Nichts anderes bietet ‚Warrior Soul'. Man kann jetzt darüber streiten, ob fünf Balladen nicht zu viel sind. Es ist sicherlich ungewöhnlich, aber da dies nun mal die ganz starke Seite der Metal Queen ist, sollte man darüber nicht den Stab brechen. Lieber gute Balladen und keine Füller auf der Rockseite, das ist jedenfalls meine Meinung.
Die Tour startet im April und mit den Finnen von SONATA ARCTICA im Vorprogramm dürfte das eine ganz heiße Sache werden.

(Matthias Decklar)

 

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